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Warm Beers and Cold Women
von Uwe Kratzmaier

Feierabend....Wie spät? Kurzer Blick auf das Handy. Damn....5 Uhr abends.

Für jeden eine der willkommensten Zeiten des Tages, aber nicht, wenn man in der East Bay wohnt und gerade mitten in Downtown San Francisco seine Autotür aufschließt.
In meinem Kopf spielen sich wilde Szenen ab: Ich sehe eine niemals endenwollende Blechlawine, die sich hupend und knatternd morgens in meine geliebte Stadt und abends wieder aus ihr heraus wälzt. Und ich da mitten drin? no way...
Da warte ich lieber, bis der Stoßverkehr sich verlaufen hat.
Gesagt, getan. Ich kämpfe mich durch Menschen, die zu Fuß unterwegs sind und Menschen in Autos und Bussen, überquere die Market Street, die den Fußgängerstrom zu dieser Zeit beinahe nicht mehr bewältigen kann und biege nach rechts ab in die Mission Street - meiner Alternativstrecke zur Market. Ich komme ganz gut voran, grinse mir einen, denn der richtig gemeine Ansturm auf die Straßen und Zubringer ist gerade am explodieren; ich habs gerade noch geschafft, ....puh, good timing..

Nach der Van Ness geht die Mission noch einen Block geradeaus und schwingt dann aus eigenwilligen Gründen plötzlich nach links ab. Ich wechsle in die rechte Spur und fahre geradeaus. Die Mission St. verwandelt sich in McCoppin und dann biege ich auch schon nach links in die Valencia Street ab. Noch während ich abbiege, überkommt mich ein seltsames Gefühl. Irgend etwas ist nicht in Ordnung hier. Es ist viel zu hell und da fehlt was und ich kann plötzlich den Himmel sehen über der Valencia Street. Dann fällt es mir siedendheiß wieder ein: Der Central Freeway ist verschwunden, einfach weg, nicht mehr da...

Nach langem hin und her siegten die Bürger der Stadt und die Nachbarschafts-Kommitees und das Wahlstimmen sammeln und die endlosen Proteste. Verschwunden ist die potthäßliche, gigantische Stahlbetonbrücke, die sich wie ein eingefrorener Tausendfüßler auf dicken Pfeilern kurz nach der Bay Bridge von der 101 south Stadtautobahn trennte, in wilden Kurven eine Etage über den anderen Straßen durch den South of Market und Mission District schlängelte und dann schließlich auf die Fell Street traf und den Weg in die Avenues Richtung Golden Gate Park öffnete...
Und jetzt ist der Freeway weg. Ich fahre die Valencia hinunter und freue mich wie ein kleines Kind, weil ich den Himmel sehen kann. Die Zelt- und Pappkartonstädte der Obdachlosen und Druggies, die immer von neuem unter den Pfeilern der Brücke entstanden, sind auch verschwunden. Und da ist auch schon das Ziel meiner Suche: Ein nichtssagendes, zweistöckiges, ziemlich schmuckloses, älteres Gebäude, ohne Frage aus der Zeit seiner viktorianischer Prachtbau-Nachbarn, aber irgendwie weiß man auch, bevor man dieses Gebäude betritt: Das Ding ist eine Bar, war schon immer eine Bar und wird auch niemals etwas anderes als eine Bar sein...



Welcome to the "Zeitgeist"

Ecke Duboce und Valencia, an der Grenze zur Mission im Süden und dem Castro im Westen. Grundfläche: Ein Viertel eines Häuserblocks und du würdest es von außen niemals vermuten. Der Anblick der Baumwipfel und der Klang von Musik über dem langen Bretterzaun entlang der Valencia machen ebenso neugierig wie die Motorräder, die in Reih und Glied auf dem Gehsteig vor dem Zaun geparkt sind. Ich geh durch die Schwingtür, die alt und verwittert und schon ein paarmal repariert aussieht. Neben der Tür auf dem Gehsteig ein ebenso wettergegerbtes Schild: "Grill open" Der erste Eindruck: alt! Über 170 Jahre alt, um genau zu sein. Und das in einer Stadt, die noch nicht einmal zweihundert Jahre auf dem Buckel hat. Innen rauchgeschwärztes Holz, ob von dem BBQ draußen oder den alten Zeiten, als Besucher einer Bar in California noch rauchen konnten, who knows?
Eine riesenlange Theke aus Redwood-Holz vor langer Zeit zusammengezimmert, hunderte von Flaschen an der Wand hinter der Theke, Poster, die illegale Seifenkistenrennen ankündigen, ein Miniaturskelett mit einer Elvis-Perücke, hunderte von Aufklebern, in unbeobachteten Momenten von Generationen von Bartendern und - besuchern hinterlassen, die ihre Weisheiten und Philosophien auf diese Weise verewigten und die jeden Quadratzentimeter der Bar, der Registrierkasse und die Zapfhähne bedecken und ein Billiardtisch. Über dem Eingang zu den beiden Toiletten steht ein verstaubtes, vergessenes BMW Motorrad, stummer Zeuge an ein verpfuschtes und frühzeitig beendetes Leben. Wieder ein Rebell auf der Strecke geblieben....
Auf diesem vergessenen Motorrad saß vor langer Zeit der Mitbesitzer der Bar, auch ein Deutscher, der sich Hals über Kopf in "sister morphine" verliebte und nicht von ihr lassen wollte. Wie so oft erdrückte sie ihn mit ihrer Liebe und nahm ihn mit kalten Händen aus seinem Leben in ihre immerglücklichen Träume...Hinter der Bar klebt ein Sticker mit der Aufschrift: "get a job, junkie!"
too late...
Schade, dass du nicht durchgehalten hast. Vielleicht hätten wir ja Freunde werden können, wer weiß? the city of golden dreams...Neben der Bar öffnet sich eine zweiflügelige Holztür in das wirkliche Geheimnis dieser Kneipe: Der Biergarten.
Beinahe so groß wie ein Fußballfeld, mit alten Eucalyptus- und Nadelbäumen, eine Oase der Ruhe in dieser hektischen Stadt. Zu meiner rechten raucht das BBQ wie eine alte Dampflokomotive, füllt die Bar und den Biergarten mit dem aromatischen Geruch von Mesquite-Kohle. Zwischen den Bäumen unordentliche Reihen von Holzbänken und Biertischen, in einer Ecke ein 1920 Ford Abschleppwagen, in dessen Ladefläche Kakteen wachsen, ein Wandgemälde auf dem 3 rosa Elefanten krampfhaft versuchen mit ihren Rüsseln volle Biergläser in der Schwebe zu halten, während sie von einem Moped fallen....

Biergarten Zeitgeist  Bar zeitgeist

Ein anderes, ernsteres Wandgemälde zur Erinnerung an Hans, dem letzten Besitzer der Bar, der vor 6 Jahren unter mysteriösen Umständen in seinem Landhaus am Russian River zusammen mit seinem Liebhaber erschossen wurde. Wilde Stories aus dem wilden Westen.
Im selben Moment fällt mir ein, dass ich in dieser Kneipe in 12 Jahren noch keinen einzigen handgreiflichen Streit zu Augen bekam, trotz der manchmal gefährlich aussehenden biker-typen und anderen Verrückten, die diese Bar besuchen. Ganz selten mal ein betrunkener Cowboy, der die Regeln nicht beachtet und im Handumdrehen von zwei freundlich grinsenden Bartendern in Begleitung eines Baseballschlägers nach draußen geführt wurde. nothing serious, really...
Die Besucher sind eine bunt zusammengwürfelte Menge: punk rockers, hippies, truck-drivers (danke für den Hinweis Bryan :) skateboarders, bike messengers, mods, bikers, dykes and gays, yuppies and artists - San Francisco vom feinsten. What else? Das "Zeitgeist" ist die einzige Bar in San Francisco und meiner Einschätzung nach dem Rest von California, in der prinzipiell kein *Budweiser* verkauft wird...
Das meistverkaufte Bier der Welt...
Aber die "Bloody Mary's" sind legendär und wärmstens zu empfehlen und nur erhältlich, wenn die Bar nicht zu busy wird, weil da eine Menge Arbeit reingesteckt wird (und 'ne Unmenge Alkohol, sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.....)
Und dann hole ich mir einen Drink und setze mich auf meinen Lieblingsplatz: An den verrückt gewachsenen Eucalyptusbaum, der sich durch eine Sitzbank nach oben streckt. Der schmiegt sich in meinen Rücken und ich lehne mich an ihn, spüre seine sachten knarrenden Bewegungen und dann schaue ich nach oben in diesen ultrablauen kalifornischen Abendhimmel. Ich sehe die ersten grauen Nebelfetzen, die sich wie suchende Geisterfinger aus der schweigenden, bedrohlich aussehenden Nebelbank lösen, die wie jeden Abend über Twin Peaks kauert. Und wie jeden Abend wird sich diese Nebelbank irgendwann über die Hügel rollen und die Stadt durchdringen. Außer der Ecke, in die ich mich heute zurückgezogen habe...
nice...

199 Valencia Street
San Francisco, CA 94103
Daily 9:00am- 2:00am
Tel: (415) 255-7505

Gewählt von den Lesern des SFweekly als Best Barbecue, Best Bloody Marys and Best Place to drink away a Sunday

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